Was macht eigentlich eine gute Beziehung aus? Diese Frage höre ich in meinen Beratungen ziemlich oft. Sicher hat jeder sein eigenes ganz bestimmtes Bild im Kopf. Oftmals wird unsere Vorstellung von einer guten Beziehung durch Filme, Romane, Bücher und Fernsehen geprägt. Doch nicht jeder Mythos hilft uns dabei weiter, eine wirklich glückliche Beziehung zu führen.

  1. „Eine gute Beziehung ist so selten wie ein Lottogewinn“

Nein – gute Beziehungen sind niemals nur Glückstreffer, sondern etwas viel Schöneres und Komplexeres – das Resultat aus Fügung, guter Partnerwahl und Geschick. Zwei Menschen haben sich gefunden und lieben gelernt. Das geht nur mit viel Zeit, Aufwand und Bereitschaft. Sich richtig kennenlernen, die Beziehung vertiefen, damit sie nachhaltig gut bleibt – das ist alles andere als ein Zufallsprodukt!

  1. „In guten Beziehungen gehört Streiten dazu“

Nun, nicht in jedem Fall. Sicher ist ein konstruktiver und fairer Streit nützlich, um die Bedürfnisse und Wünsche, aber auch seine Grenzen noch besser kennen zulernen. Doch wenn es beim Streiten nur darum geht, seine eigene Meinung und seinen eigenen Willen durchzusetzen, ist er fehl am Platze. Viel besser ist es, dem Partner seine Wünsche in ruhigem Ton zu sagen und seine Meinung dazu anzuhören. Gegenseitiges Verständnis ist der Schlüssel für eine gute Beziehung. Aber tappt nicht in die Harmonie-Falle. Das ist jener Zustand, bei dem Probleme nicht angegangen, sondern ertragen werden – bis es irgendwann kracht.

  1. „Für eine gute Beziehung muss ich nichts tun“

Leider nicht. Gute Beziehungen beinhalten immer auch „Beziehungsarbeit“. Oder anders gesagt –  unsere Verliebtheits-Hormone lassen uns nicht bis in alle Ewigkeit auf Wolke Sieben schweben. Wir müssen lernen, als Beziehungs-Team gut zusammen zu „arbeiten“. Und wir müssen bereit sein, zu investieren, um eine wirklich gute, langfristige Beziehung zu führen. Denn Liebe braucht Aufmerksamkeit, Vertrauen, Offenheit, Geduld und vieles mehr.

  1. „Eifersucht gehört zu einer guten Beziehung“

Jain – Eifersucht hat viele Facetten. Wenn der Partner gar nicht guckt, wenn man heiße Blicke erhält ist das mindestens genauso unschön wie permanentes Misstrauen.  Sich kontrollieren lassen möchte niemand. Aber auch das Gefühl, selbstverständlich zu sein, ist schädlich für die Beziehung. Also eine Prise – wirklich nur eine Prise –  Eifersucht verträgt jede gute Beziehung. Aber permanente Eifersucht, ständige Kontrolle und das Fehlen jeglichen Vertrauens ist schleichendes Gift für die Beziehung. Eifersucht hat verschiedene Ursachen. Neid, Missgunst, Verlustangst –  ganz oft steckt mangelndes Selbstwertgefühl dahinter.

  1. „In einer guten Beziehung hat man jeden Tag Sex“

Nicht wirklich – die Statistik über die Sexhäufigkeit ist die, in der am Meisten gelogen wird. Glaubt man der Statistik, haben Paare einmal in der Woche Sex. Wie oft wir den anderen Begehren und mit ihm sexuell aktiv sind, hat aber nichts damit zu tun, wie gut oder schlecht unsere Beziehung ist. Und über die Qualität der Sexualität sagt es gar nichts aus. So individuell Menschen sind, so individuell ist auch das Bedürfnis nach Sex. Da Sex u.a. eine bindende Funktion hat, kommt es sogar vor, dass liebevolle und harmonische Beziehungen – bei der Bindung auf vielen anderen Ebenen vorhanden ist – sogar sehr selten Sex haben.

 

 

 

 

 

 

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